MVS-Dateien vom Mainframe mit WinSCP herunterladen

Dass man mit WinSCP auf die Unix-System-Services bzw. auf das Linux-Filesystem eines IBM-Mainframes zugreifen kann, ist keine große Kunst. Entgegen vieler Blogeinträge funktioniert jedoch auch ein Zugriff mit WinSCP auf MVS-Datasets eines Mainframes. Der Trick bei der ganzen Sache ist nur, dass man weiß wie man auf dem hierarchischen Dateisystem – auf dem es keine Ordner oder Verzeichnisse gibt – WinSCP dennoch ein Verzeichnis vorgaukelt.

Natürlich muss man zuerst eine funktionierende Verbindung zum Mainframe herstellen können – entweder durch die Angabe einer IP-Adresse oder eines vom DNS aufgelösten Namen und dem entsprechenden Port (i. d. R. 22).

Nach erfolgreicher Anmeldung erscheint wie in WinSCP gewohnt, auf der linken Seite, die Verzeichnisstruktur des lokalen Rechners. Auf der rechten Seite des WinSCP-Fensters wird der zuletzt gespeicherte Ort angezeigt – sofern man bereits einmal erfolgreich in einem „MVS-Verzeichnis“ navigieren konnte.

Anderenfalls benutzt man entweder die Tastenkombination CTRl + O, welche den Dialog zum Wechsel in ein bestimmtes Verzeichnis öffnet, oder man klickt das entsprechende Symbol zum Wechsel in ein Verzeichnis in der Menüleiste an. Jetzt folgt die entscheidende Angabe: Durch Eingabe eines Schrägstriches, gefolgt von zwei Unterstrichen, sowie (mindestens) dem First-Level-Qualifier eines Datasetnamens, plus der Eingabe eines Punktes, öffnet WinSCP alle Dateien die mit dem angegebenen Dateinamen beginnen.

Um bspw. alle Dateien anzuzeigen, die mit dem First- , sowie Second-Level Datasetnamen BAT.PO.* beginnen, gibt man beim Verzeichniswechsel in WinSCP folgenden String ein:

/__BAT.PO.

Wichtig ist der Schrägstrich, gefolgt von zwei Unterstrichen, sowie der Punkt am Ende – danach mit Enter bestätigen und WinSCP listet alle gewünschten Dateien auf. Auch bei großen Dateimengen (z.B. > 50.000) funktioniert das einwandfrei, allerdings dauert es bei großen Mengen doch eine Weile bis alle Dateien angezeigt werden. Nicht irritieren lassen sollte man sich von der Dateigrößenangabe, die generell mit 0 Byte angegeben wird. Offensichtlich kann von WinSCP die korrekte Dateigröße bei MVS-Dateien nicht ermittelt werden. Überträgt man eine MVS-Datei vom Mainframe mit WinSCP – z.B. mit Drag and Drop – wird auf dem lokalen Rechner die Dateigröße sofort angezeigt.

Möchte man auf die Unix-Ebene wechseln, so ist im Gegensatz zu „normalen“ Unix-Systemen bspw. das Home-Directory eines Users nicht unter /home/userid, sondern unter /u/userid zu finden. Unter dem Wurzelverzeichnis findet man auch auf dem Mainframe bekannte Verzeichnisse wie /etc, /bin, /var und noch Weitere.

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